Schönste Eishalle ist 30 Jahre alt

Die Vaillant-Arena, wie das Eisstadion Davos heute heisst, gilt gemeinhin als die schönste Eishalle der Welt. Erbaut wurde sie im Sommer und Herbst 1979, also vor genau 30 Jahren. Der HC Davos stieg im Frühjahr 1979 wieder in die Nationalliga A auf, und so musste innert kürzester Zeit eine Halle erstellt werden. Die aussergewöhnliche Bauweise sorgte damals wie heute für internationales Aufsehen.

Therry Brunner

An eines erinnert sich der Architekt der Davoser Eishalle, Urs Krähenbühl, besonders gut: «Wir standen den ganzen Sommer und Frühherbst 1979 beim Bau unter extremem Zeitdruck.» Pünktlich am 1. Oktober 1979 konnte die für rund 12 Millionen Franken neu erbaute Halle dann in Betrieb genommen werden, und kurze Zeit später spielte der HCD sein erstes Meisterschaftsspiel im eigenen, nun überdachten Eisstadion. Pläne, ein überdachtes Stadion zu machen, gab es allerdings schon früher. So wollte man 1970 bereits die damalige offene Kunsteisbahn überdachen und baute dafür Fundamentpfeiler. Aufgrund der zu hohen Stahlpreise der damaligen Zeit wurde dieses Projekt aber wieder fallen gelassen. Die aber bereits errichteten Beton-Fundamente standen jahrelang ungebraucht um das Eisfeld rum. Anfang Februar 1979 entschied sich der Grosse Landrat für die Überdachung der 1960 errichteten Kunsteisbahn sowie der Nordtribüne, wenig später übernahm der Kurverein die Bauherrschaft, und bereits am 8. April stimmte der Souverän einem A-fonds-perdu-Beitrag der Gemeinde von 4,5 Millionen Franken zu. Am nächsten Morgen, 9. April 1979, wurde mit dem Bau der heutigen Vaillant-Arena begonnen. Durchgesetzt gegen andere Bewerber, die eine Stahlkonstruktion vorsahen, hatte sich dabei das Holzkonstruktions-Projekt der Davoser Krähenbühl Architekten. «Der Vergleichswettbewerb lief schon 1978, da ein Aufstieg des HCD vorhersehbar war. Wir entwickelten diese Konstruktion in enger und intensiver Zusammenarbeit mit Statikern und Holzbauingenieuren», präzisiert Krähenbühl die Entstehungsgeschichte der Eishalle.

40 Meter lange Holzträger
Auf die Frage, wie man auf die Idee dieser einmaligen und aufsehenerregenden Dachkonstruktion kam, ist die Antwort gleichermassen vielschichtig wie simpel: «Der Kurverein wollte unbedingt die vier 1970 gebauten Fundamentpfeiler nutzen, und von diesen her war eine schräge Gewichtseinwirkung der Dachkonstruktion vorgegeben. Für sie sei es aber dadurch viel anspruchsvoller geworden, eine geeignete Dachform zu finden, weil der Kurverein unbedingt diese schon seit Jahren bestehenden Pfeiler verwenden wollte. «Sonst wäre es wohl eine ganz normale, runde Eishalle geworden», sagt Krähenbühl. Diese Stützen sind unterirdisch mit Stahlseilen miteinander verbunden. «Holz haben wir ausgewählt, weil Holz die Feuchtigkeit viel besser aufnehmen kann als Stahl.» Zudem sei die gesamte Schweizer Holzverarbeitungsindustrie zusammengestanden und habe sich intensiv für eine Holzdachkonstruktion eingesetzt. Es waren also einerseits bauphysikalische Gründe und andererseits optisch-ästhetische Komponenten, die zu dieser wohl einmaligen Dachform führten, durch welche die Davoser Eishalle internationale Bekanntheit erlangte und als Eis-Palast oder Sport-Kathedrale bezeichnet wird. 40 Meter lang sind dabei die 8 Hauptträger aus verleimten Holzbindern. Total sind es 112 Holzbinder, die im Dach in der Vaillant-Arena verarbeitet sind. Und das Eigengewicht der Holzkonstruktion ohne zusätzliche Baumaterialien beträgt alleine schon fast 1000 Tonnen. Ausserdem hat es eine Tragkraft von weit über 4000 Tonnen.

Brückenprojekt musste beschleunigt werden
An seiner höchsten Stelle ist das Stadion 30 Meter hoch. Im Winter wird regelmässig das Gewicht des Schnees gemessen. «Bisher wurde es in all den 30 Jahren allerdings noch nie kritisch», so Krähenbühl mit einem Schmunzeln. Wesentlich problematischer gestaltete sich 1979 die Beschaffung dieser riesigen Holzbalken, die für die Dachkonstruktion nötig waren. In der Schweiz sei damals gar nicht genügend getrocknetes Holz von solchen Ausmassen zur Verfügung gestanden. Dank einem Effort der Holzindustrie wurde dann ein Teil der benötigten Menge aus dem benachbarten Ausland, hauptsächlich dem Schwarzwaldgebiet, herbeigeschafft. «Für die holzverarbeitende Industrie war das eine grosse Imagesache. Sie hatten sich ja stark gemacht für eine Holzkonstruktion, also wurden auch alle Hebel in Betrieb gesetzt, um diese tatsächlich zu realisieren», erinnert sich Krähenbühl. Die Davoser Eishalle war auch eine der ersten, die in Europa mit Holz solch grosse Spannweiten überwand. So war das hiesige Eisstadion auch ein enorm wichtiges Prestigewerk. Diese gewaltige Holzkonstruktion sorgte aber nicht nur in Fach- und Architekturkreisen für viel Aufsehen, sondern brauchte auch einen speziellen 200-Tonnen-Kran, um diese als Dach zu montieren. Damit dieser grosse Kran überhaupt erst nach Davos gelangen konnte, musste im Frühsommer 1979 die Sanierung der Brücke über die Landquart kurz vor Küblis Fahrtrichtung Davos massiv forciert werden. Erst dann konnte dieser Kran diese Stelle passieren und eingesetzt werden. Ähnlich spektakuläre Vorkehrmassnahmen musste man bei der Rhätischen Bahn (RhB) treffen. Die acht längs-ten und gebogenen Holzbindeträger wurden in Nachttransporten mit der RhB nach Davos gebracht. Bis es aber so weit war, mussten bei den Güterwagen spezielle Konstruktionen entwickelt werden, damit die Balken überhaupt erst auf die Schiene verladen werden konnten. Und da die Strecke nach Davos durch einige Tunnels führt, musste die RhB erstmal noch Profilfahrten im Vorfeld durchführen, um zu prüfen, ob das so überhaupt durchführbar ist und genügend Platz vorhanden ist. Krähenbühl: «Es musste schon wahnsinnig viel passen und abgeklärt werden und extrem präzis gearbeitet werden.»

Gewaltiges Interesse
Nachdem die Dachkonstruktion im Herbst 1979 abgeschlossen wurde, blieb aus Zeitmangel während der ers-ten zwei Saisons die Halle auf vier Seiten offen. Im Sommer 1980 wurden dann die Holztribünen und die Garderoben auf der Südtribüne errichtet. Der restliche Innenausbau und die Fassade kamen dann ein Jahr später hinzu. Schon während des Baus im letzten Sommer der 70er-Jahre war das Interesse riesig, und man sei schon im Mittelpunkt gestanden. «In unzähligen Publikationen und Pressebeiträgen in weiten Teilen Europas wurde über die neue Davoser Eishalle berichtet, und es hatte immer viele Schaulustige vor Ort. Beim Bau sei ihnen gar nicht bewusst gewesen, dass sie hier was so Aufsehenerregendes erschaffen. Nach dem Bau wurde ich als Redner an Holzfachseminare eingeladen und hielt Vorträge.» Trotz diversen Anfragen und dem grossen Interesse hätte es aber keine Folge-Aufträge gegeben. «Ausser einem einmonatigen Baustopp wegen einer Einsprache verlief insgesamt alles ziemlich reibungslos, und es gab auch keine Unfälle», fasst der mittlerweile 62-Jährige zusammen. «Besonders die Zusammenarbeit mit Kurdirektor Giacometti und Johnny Brunold von der Gemeinde war gut.» Die Halle gefalle ihm auch heute noch sehr gut, aber es sei kein spezielles Gefühl mehr, an der Erbauung dieser Halle beteiligt gewesen zu sein, aber ein klein wenig stolz sei er doch noch, fügt Krähenbühl leise an. «Es war eine grosse Herausforderung und ein einmaliger Auftrag. Die Eishalle ist sicherlich das attraktivste Bauwerk, welches ich realisieren konnte!»

News vom 20.09.2009